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Über die Seele - Aristoteles revisited


Die alten griechen könnten auch die neuen sein.

Mittlerweile ist es auch in unserer höchstindividualisierten und schnelllebigen Gesellschaft des Westens kein geheimes wissen mehr, dass der körper irgendwie mit der seele verbunden ist. dass der körper in mittleidenschaft gezogen werden kann, wenn es einem seelisch schlecht geht. und andersherum genauso: körperliche beschwerden lassen niemanden langfristig vor freude tanzen.

 

nicht alle erkennen diese wechselwirkung (an), manche wissen es mehr oder weniger und die wenigsten von uns machen gebrauch davon. dabei lohnt sich der aufwand, bewusst hinzuschauen, was da so zwischen Seele und Körper passiert. das haben damals schon die alten griechen vor über 2000 jahren gewusst und es in ihren schriften an die nachfolgenden generationen weitergereicht.

 

in diesem artikel geht es um das betrachten von wissen, das so alt ist und teilweise aktueller nicht sein könnte. als literaturwissenschaftlerin musste ich nämlich immer wieder erstaunt feststellen, dass das, was die alten griechen in ihren philosophischen texten über das leben, die liebe und das selbst schrieben, oftmals noch heute anwendbar ist. faszinierend, jedenfalls für mich und am ende des tages, lieber leser, vielleicht auch für dich.

 

ich möchte mich speziell der schrift über die seele (de anima) * von Aristoteles widmen, da sie, wie ich finde zu unrecht, nicht in den derzeit enorm aus dem boden sprießenden Blogs und büchern über leben, lifestyle und gesundheit behandelt wird. es müssen eben auch mal nicht immer nur Ayurveda und die traditionelle chinesische medizin im fokus stehen, wenn es um das thema einheit von körper und seele geht (trotzdem bin ich auch davon Fan und werde hier im verlauf meines blogs über interessante aspekte dieser Heilkünste schreiben).

 

mir geht es in diesem artikel nicht darum, die komplexe theorie der seele dieses gleichsam komplexen philosophen im detail vorzustellen (das geht auch gar nicht), sondern ein paar interessante aspekte herauszufiltern, die meiner meinung nach ein gutes bild von der aufgabe und fähigkeit der seele sowie seine verbindung mit dem körper zeigen.

 

*quelle: Aristoteles. Über die Seele. mit einl. und übers. (nach w. theiler) und Kommentar hrsg. von horst seidl. Hamburg: Felix Meiner Verlag, 1995.


Über die Seele. Und den Körper.

ich weiß ja nicht, ob du, lieber leser, dich schon einmal mit der frage bschäftigt hast, was eigentlich die seele ist? vielleicht ist es für dich ja selbsverständlich, dass die seele und der körper untrennbar miteinander verbunden sind?

für aristoteles ist es schon gleich zu anfang seines ersten buches der Schrift über die seele  unumstritten, dass die seele nicht ohne den körper existieren kann und der körper nicht ohne die seele.

 

das, was die seele zunächst ausmacht sind, nach aristoteles und seinen vorgängern, folgende drei merkmale: bewegung, wahrnehmung und unkörperlichkeit. Wenn die Seele also Unkörperlich ist - keine greifbare materie - wie könnte man ihre Existenz erkennen, wenn nicht durch materie?

 

Ein menschlicher körper zum beispiel - er macht das, was die seele bewegt, in Form von eigener bewegung für das auge sichtbar. das auge kann nur sehen - etwas von außen wahrnehmen -, weil die seele ihr die fähigkeit zur wahrnehmung ermöglicht. die seele kann aber nur dann bewegt werden, wenn ein reiz von außen durch eines der sinnesorgane wahrgenommen wird. die Seele, so mächtig sie erscheinen mag, könnte sich also ohne den materiellen körper gar nicht bewegen bzw. ausdrücken.

 

ich glaube an diesem beispiel wird deutlich, dass die seele etwas ungreifbares ist - eine art geist, wenn man so will. und trotzdem bestimmt sie alles, was der körper kann (oder potentiell können könnte). die seele ist also zwangsläufig immer mit dem körper verbunden und ohne ihn nichts. und wenn es keine Seele gäbe, würde der körper all seine schönen fähigkeiten nicht besitzen und potentiell ausüben können.

 

das mag jetzt logisch und offensichtlich klingen, aber mal ganz ehrlich: bevor ich mich mit diesem thema beschäftigt habe, hab ich nicht so detailiert darüber nachgedacht wieso, weshalb und warum. Und können uns deshalb schlechte gedanken körperlich beeinflussen, weil jede seelische bewegung sich in ihrer körperlichen materie manifestiert - auf welche art auch immer?

 

insgesamt umfasst die menschliche seele für aristoteles die fähigkeiten des nährens (sich ernährens), aktiver bewegung (des strebens), der wahrnehmung und des denkens (der intelligenz). er unterscheidet dabei die seele des menschen, der tiere und der pflanzen und sagt im zuge dessen, dass jeder körper, der leben in sich trägt und mindestens eine der genannten fähigkeiten besitzt, eine seele besitzen muss.

 

die menschliche seele - surprise, surprise - ist seiner meinung nach die überlegenste (vor allem die des philosophen, weil die fähigkeit zum Denken und damit zur intelligenz die mächtigste ist, haha). Die Pflanze kann sich nämlich nicht aktiv bewegen, nur wachsen oder sterben, und sie kann seiner meinung nach auch nicht wahrnehmen - weil schmerz, vergnügen und sogar verlangen mit der wahrnehmung einhergehen (jede passionierte pflanzenheilkundlerin ist an dieser stelle wahrscheinlich nicht ganz so seiner meinung...). Die Seele der Tiere kann sich im gegensatz zur pflanze aktiv bewegen - nach etwas streben - und auch eindrücke wahrnehmen und darauf reagieren.


Aristoteles über die Geschmackrichtungen.

obgleich die fähigkeit des denkens für aristoteles die mächtigste ist, ist die fähigkeit des nährens die wichtigste! no food = No life. da kannste noch so viel denken und lesen können.

 

"[...] denn nichts schwindet oder wächst von natur, wenn es sich nicht nährt, und nichts nährt sich, was nicht am leben teilhat."**

 

nicht nur im ayurveda oder in der TCm spielen geschmacksrichtungen bzw. der geschmackssinn eine essentielle rolle, sondern auch bei aristoteles. er unterscheidet zwische süß, bitter, fettig, salzig, scharf, herb, sauer und stechend. was ich an seiner betrachtung irgendwie entzückend und gleichzeitig interessant finde ist, dass diese fähigkeit, die beim menschen besonders gut ausgepägt sein soll, den menschen auch zum klügsten lebewesen macht.

 

Toll! wozu unsere seele unseren körper nicht alles befähigt! das können wir doch gleich zum anlass nehmen, mit dieser fähigkeit zu experimentieren.

 

wenn wir also schon diese mega fähigkeit haben, viele, verschiedene nuancen von Geschmack zu unterscheiden, dann hat das doch einen sinn. und weil geschmacksrichtungen nicht nur für die alten griechen so wichtig sind, ist es mir ein besonderes anliegen, in meiner Eintopfküche so viele, unterschiedliche geschmäcker zusammenzubringen wie es nur geht.

 

In den nächsten artikeln wird es deshalb, lieber leser, unter anderem um geschmacksrichtungen und ihre wirkungen auf den körper gehen. dazu wird es neue Beispiel für freestyle- eintöpfe geben ♥

 

 

 

**quelle: Aristoteles. Über die Seele. mit einl. und übers. (nach w. theiler) und Kommentar hrsg. von horst seidl. Hamburg: Felix Meiner Verlag, 1995, S. 83.

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